| Ich bin ein munteres Kind |
| Tobe nicht, bin nicht lammfromm |
| Der Haarschnittbrav, die Patschhändchen rein — |
| Wenn Besuch kommt, hat das so zu sein |
| Bring' ich Freunde mit nach Haus |
| Schmeißt die Mutti uns gleich raus: |
| Geht vom Teppich runter mit den dreckigen Schuh’n! |
| Spielt doch auf der Straße! Ich habe zu tun … |
| Abends hockt mein Vati stumm |
| Hinter seiner Zeitung rum |
| Krieg' ein Wurstbrot reingestopft |
| Fernseh’n darf ich heute nich' |
| Denn das Stück, das ihr euch ansieht |
| Das ist nix für mich |
| (Denn) Du bist doch nur ein Nichtsnutz |
| Von noch nichtmal 14 Jahr’n |
| Und eine eigene Meinung |
| Kannst du dir für später sparn! |
| Du rotznäsiger Nichtsnutz |
| Hintern Ohren noch ganz naß: |
| Werde erstmal älter! |
| Leiste erstmal was! |
| Ich bin schon fast Mitte vierzig |
| Ich bin jetzt Deckel, nicht mehr Topf! |
| Versuche nur, mich mal anzugreifen |
| Dann rollt mit Sicherheit dein Kopf! |
| Ich hab' es mächtig weit gebracht: |
| Ich bin Direktor! Ich bin Macht! |
| Mein weißer Kragen beweist doch schon |
| Ich hab' Gewinn, und du hast Lohn |
| Ich bin kein dummer Junge mehr |
| Ich bin ein großes Licht! |
| Die Kindheit ist begraben — |
| Die interessiert mich nicht |
| Damals war ich Nichtsnutz |
| Der in die Hose scheißt |
| Heute bin ich Herr Wichtig |
| Der weiß, was Leben heißt |
| Ich weiß es schon sehr lange — |
| Nur eins hat Gewicht: |
| Ich hab' ne eigene Meinung |
| Doch darum geht es nicht! |
| Es geht doch nur um Geld! |
| Es geht doch nur um Macht! |
| Und nicht um die Methode |
| Die mir das eingebracht |
| Ich frag' mich oft, wie lang |
| Das noch so weiterläuft |
| Wenn jeder meine Ellenbogen hätte |
| Dann sähe unsre Welt |
| Bestimmt ganz anders aus … |
| Aber — mein Glück! — so läuft das nicht |
| Ich bin noch immer frei! |
| Ich kann tun und lassen, was ich will |
| Ja, ich kann tun und lassen, was ich will! |
| Besitze 'ne Villa, 'n dicken Mercedes |
| Ein Landhaus, 'ne Mittelmeeryacht |
| Van Goghs an der Wand, Ikonen vom Zar |
| Film auf dem Klo, im Schwimmbad 'ne Bar |
| Tennisplatz am Haus, Flutlicht bei Tage |
| 'n neuen Gärtner, Videoanlage |
| Bibliothek, Steinway-Flügel |
| Champagner im Keller, Reitpferd am Zügel |
| 'ne Frau und zwei Kinder |
| Ihr wißt schon: |
| Zwei von diesen Nichtsnutzen |
| Mit denen man keinen Staat machen kann |
| Ich war ein munteres Kind |
| Tobte nicht, war nicht lammfromm |
| Der Haarschnitt brav, die Patschehändchen rein — |
| Wenn Besuch kam, mußte das so sein |